Vor rund zwei Monaten habe ich hier darüber informiert, dass ich für meine Kurzgeschichte “Jäger in der Nacht” bei gleich drei verschiedenen Lektor*innen ein Lektorat / Gutachten angefragt habe. Alle drei haben zugesagt und mittlerweile liegen mir sämtliche Rückmeldungen vor.
Mir war immer bewusst, dass die Geschichte nicht perfekt ist und es noch ein paar grobe Stellen zu schleifen gilt. Es war aber trotzdem ziemlich ernüchternd zu sehen, wie viele Punkte die Lektor*innen gefunden haben: Von falsch angewendeten Redewendungen (wir werfen im Deutschen kein Auge auf jemanden, sondern einen Blick, weil das Bild von herumgeworfenen Augäpfeln wenig ansprechend ist) und aus dem Englischen verschleppten Grammatikstrukturen über nicht ganz nachvollziehbare Handlungsbogen und inkonsistente Darstellung der Charaktere waren die gesammelten Rückmeldung ein vielseitiges Mischmasch an Fehlern und Fragen. Es war mir einerseits sehr peinlich, dass die drei Profis so viel Verbesserungsbedürftiges gefunden haben, andererseits musste ich mir selbst sagen, dass ich sie genau darum ja um ihre Rückmeldung gebeten habe. Ich bin zu nah dran an meinen Geschichten und an meinem Stil, um zu beurteilen, ob alles so funktioniert oder eben nicht.
Unter anderem bekam ich den sehr treffenden Hinweis, dass ich mit meinem Titel “Jäger in der Nacht” auf das Standard-Maskulinum zurückgefallen bin, obwohl meine Hauptfigur Undine doch weiblich ist. Schon ein wenig erschreckend, wie leicht man selbst sprachlich in traditionelle Muster zurückfällt. Die Geschichte wird auf jeden Fall einen neuen Titel erhalten, der Undine besser wiederspiegelt, auch wenn ich momentan noch keine definitive Idee dafür habe. Der erste Eindruck fängt eben wirklich schon beim Titel an.
Auch eine sehr komplexe Frage war: “Warum schreiben Sie? Was wollen Sie mit Ihren Geschichten aussagen?” Ich muss gestehen, meine Antwort ist relativ simpel: Weil es mir Spass macht und weil eins meiner liebsten Gedankenspiele “Was wäre, wenn…?” heisst. Aus diesem Spiel heraus sind praktisch alle Geschichten meines Projekts Ewea (Es war ein andermal) entstanden. Eine eingehende Botschaft oder ein zugrundeliegendes Thema habe ich bisher nur selten in meinem Schreiben umgesetzt. Auch etwas, über das ich mir in Zukunft wohl etwas mehr Gedanken machen muss.
Alles in allem war dies ein sehr wertvolles Experiment für mich, auch wenn mein Ego aktuell ziemlich angekratzt ist. Die verschiedenen Gewichtungen von Rechtschreibung und Grammatik zu den Charakteren und ihrem Zusammenspiel bis zur Frage des grundlegenden Themas waren spannend zu vergleichen. Die unterschiedlichen Betrachtungen und Herangehensweisen haben mir sehr geholfen und werden mir äusserst nützlich bei der Überarbeitung der Geschichte sein. Freilich war auch die eine oder andere Rückmeldung dabei zu Punkten, von denen ich dachte, ich hätte sie ausreichend erklärt / angesprochen oder bei denen ich schlicht nicht verstanden habe, was genau das Problem ist. Mein Unverständnis kann ich meinen Lektor*innen aber natürlich nicht ankreiden, dafür können sie ja nichts.
Soweit also mein Fazit: Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen, denn das drückt den Wunsch nach Verbesserung aus, was meiner Meinung nach der einzige Weg nach vorne / oben ist. Fairerweise muss ich hier anmerken, dass alle drei Lektor*innen mir meine Fehler auf freundliche und unterstützende Art und Weise aufgezeigt haben. Ich musste sogar einige Male über Kommentare, Anmerkungen und Vorschläge lauthals heraus lachen. Ein Lektorat ist kein Angriff auf das eigene erzählerische Können, auch wenn es sich im ersten Moment vielleicht so anfühlen kann. Konstruktive Kritik ist etwas, was allen Kreativen früher oder später begegnet und woraus sie Nutzen ziehen können. Und zu guter Letzt: Schreibratgeber und Hilfsmittel nützen nur etwas, wenn man sie denn auch verwendet. Mein Stil-Wörterbuch etwa steht seit gut acht Jahren in meinem Regal und hätte mir sicher dabei geholfen, keine Augen durch die Geschichte zu werfen, wenn ich es denn zu Rate gezogen hätte. Autsch.
An dieser Stelle also nochmals ein herzliches Danke an Heidrun Launicke von Lektorat Schreibwege, Gundel Steigenberger von Lektorat Steigenberger und Joshua Idstein von Lektorat Idstein für all die Mühe und Geduld, mit denen sie sich meiner Geschichte angenommen haben.
