Fragen und Antworten
Allgemeine Fragen
Was ist ein Retelling?
Ein Retelling ist eine Nacherzählung, das heisst, die Geschichte basiert auf einer bereits bestehenden und meist weit bekannten Vorlage.
Es gibt viele unterschiedliche Arten von Retellings. Einige beziehen sich auf Sagen, Mythen und Märchen wie Robin Hood oder König Artus, bei denen es kein eindeutiges Original gibt. Andere nutzen als Grundlage eine Geschichte, bei der zwar bekannt ist, wer sie geschrieben hat, die aber mittlerweile nicht mehr vom Urheberrecht geschützt ist. Beispiele dazu sind etwa William Shakespeares "Romeo und Julia", Jane Austens "Stolz und Vorurteil" oder Sir Arthur Conan Doyles Abenteuer von Sherlock Holmes.
Für viele Erzähler*innen sind Retellings interessant, da sie eine Grundlage bieten, die vielen Leser*innen, Zuhörer*innen und Zuschauer*innen bekannt ist. Gleichzeitig erlauben sie den Freiraum, die Geschichte in eine andere Zeit und / oder an einen anderen Ort zu versetzen. Dadurch können neue Wege und Lösungen entstehen, aber auch neue Konflikte und Probleme.
Für viele Leser*innen, Zuhörer*innen und Zuschauer*innen wiederum sind Retellings interessant, eben weil die zugrunde liegende Geschichte bereits bekannt ist und sie die Ideen der erzählenden Person umso deutlicher sehen.
Woher stammen deine Ideen?
Das mit den Ideen ist so eine Sache. Wie schon Mark Twain sagte: "There is no such thing as a new idea. It is impossible. We simply take a lot of old ideas and put them into a sort of mental kaleidoscope. We give them a turn and they make new and curious combinations. We keep on turning and making new combinations indefinitely; but they are the same old pieces of colored glass that have been in use through all the ages."
Meiner Ansicht nach verbinden sich unsere Erfahrungen, Erinnerungen, Vorlieben und Abneigungen in unserem Unterbewusstsein mit den Geschichten, die wir aus unserem Umfeld oder durch Filme, Bücher, Theater und andere Medien erzählt bekommen. Die Kombinationen, zu denen wir einen besonderen Bezug haben, dringen in Form einer Idee in unser Bewusstsein vor. Das macht die Kombinationen einzigartig für jeden Menschen, da wohl kaum mehrere Personen genau dieselbe Mischung aus Erfahrungen und Medien in sich tragen.
Wenn du also auf der Suche nach einer neuen Idee bist, dann kann ich dir drei Tipps geben, mit denen ich auch selbst arbeite:
- lies Bücher, sieh Filme, hör Musik, besuch Theater, und das aus möglichst verschiedenen Genres und Stilrichtungen. Vergrössere deinen kreativen Horizont so weit es geht, denn du weisst nie, woher die nächste gute Idee kommt
- lass dich von einer Geschichte inspirieren, die du magst. Beginn Elemente zu verändern, bis es deine eigene Geschichte wird, die sich deutlich vom Original abhebt. Bitte schreib keine Plagiate oder offensichtliche Kopien, davon gibt es schon genug und ich bin sicher, dass deine Kreativität mehr zu bieten hat
- sei offen für alle Arten von Geschichten und lehn sie nicht vorneherein ab. Wer weiss, vielleicht hast du ein besonderes Talent für ein Genre, mit dem du dich bisher nicht gross beschäftigt hast
Wie erschaffst du deine Charaktere?
Da gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, keine davon ist falsch.
Manchmal beginnt eine Idee mit einem Charakter, der nach und nach in meinem Kopf heranwächst. Vielleicht hat er den gleichen Familienhintergrund wie ich, vielleicht hat er denselben trockenen Humor wie mein bester Freund. Eventuell hat sie einen ähnlichen Körperbau wie eine Verwandte, eventuell hat sie eine Stimme wie meine Lieblingssängerin, eventuell hat sie die grossen blauen Augen eines Arbeitskollegen.
Menschen leben selten in einem Vakuum, darum ziehst du bewusst oder unbewusst Inspiration aus deinem Umfeld. Das ist an sich nichts Schlechtes, reale Vorbilder machen auch einen erfundenen Charakter realer. Schwierig wird es erst, wenn du eine ganze reale Person in deine Geschichte einbaust, weil damit rechtliche Konsequenzen auf dich zukommen können. Verständlich, denn wer will sich selbst schon in einem Buch oder einem Film wiederfinden? Möglicherweise sogar noch als Bösewicht, als gemeiner Chef oder die blöde Kuh von nebenan.
Manchmal beginnt eine Idee aber auch mit einer Handlung oder einem Ort. Dann ergeben sich gewisse Anforderungen an die Charaktere, die diese Handlung durchleben oder an diesem Ort existieren. Eine wilde Jagd nach einem verlorenen Schatz mitten im Nirgendwo ist tendenziell einfacher für Charaktere ohne eingeschränkte Mobilität.
Natürlich können solche Anforderungen bewusst ignoriert werden. Damit wird das Erzählen der Geschichte schwerer und komplexer, aber das kann seinen eigenen Reiz haben. Einer deiner Schatzjäger hat einen Rollator? Hey, vielleicht gelingt ihm damit eine rasante Flucht durch den Minenschacht und er rettet so den Tag.
Fragen zu meinen Werken
Was ist Projekt "Ewea"?
Das Projekt "Ewea" umfasst alle meine Geschichten, die diesem Grundgedanken entsprechen: bekannte Figuren und Handlungen verschoben in Raum und Zeit. Oder kurz gesagt, “Es war ein andermal”, was natürlich ein Wortspiel zum bekannten Märchenanfang "Es war einmal" ist.
Das Projekt selbst läuft seit 2017, die erste Geschichte dazu ist im Frühling 2018 entstanden. Allerdings teilt sie das Los vieler Erstlingswerke und ist der breiten Öffentlichkeit nicht zumutbar. Immerhin, ich habe durch hilfreiche Rückmeldungen stetig an meinem Schreibstil und meiner Erzählweise arbeiten können, konnte Fehler ausbügeln, die mir vorher gar nicht aufgefallen sind, und wurde mutiger im Bezug auf Handlung und Figuren.
Ich habe anfangs einige Märchen in anderen historischen Zeiten spielen lassen, was mir sehr viel Spass gemacht hat. So habe ich zum Beispiel Frau Holle im Wilden Westen angesiedelt und Rapunzel in den Sherwood Forest versetzt. Aber die Übersetzung von Märchen in unsere moderne Zeit war schliesslich noch spannender für mich, weshalb meine Geschichten nun grundsätzlich in der Neuzeit spielen.
2024 habe ich zum ersten Mal ein kleines Experiment begonnen, das ich liebevoll "Ewea Extreme" nenne, nämlich das gleiche Märchen mehrfach zu schreiben. Für 2024 war es Rotkäppchen, weil das eine meiner ersten Geschichten für dieses Projekt überhaupt war. Und weil doch recht gut funktioniert hat, widme ich 2025 dem Märchen Die Schöne und das Biest.
Märchen sind doch eher für Kinder, warum schreibst du Retelings für Erwachsene?
Weil wir den Grossteil unseres Lebens als Erwachsene verbringen und uns dabei täglich neuen Herausforderungen stellen müssen.
Märchen dienen oft als erzählerische Warnung für Kinder vor Fremden oder vor schlechtem Benehmen, das ist soweit korrekt. Aber sie erzählen auch von Mut und Gerissenheit, von Grossherzigkeit und Liebe, von Treue und von Hoffnung. Und diese Elemente, so meine ich zumindest, können wir in jedem Alter gut gebrauchen.
Auch wenn es heute wohl eher wenige verzauberte Königskinder gibt und auch in den Wäldern die Hexenhäuschen und Zaubertürme selten geworden sind, so gibt es doch noch immer negative Einflüsse wie zum Beispiel Unglück, Gier und Wesen mit bösen Absichten, die unser Leben prägen. Märchen zeigen uns die Möglichkeiten auf, wie wir mit diesen negativen Einflüssen umgehen können.
Du bist vermutlich nie in einen Frosch, einen Bär, einen Storch oder ein anderes Tier verwandelt worden. Aber vielleicht kennst du das Gefühl, dass du dich in deinem eigenen Körper nicht wohlfühlst: zu gross, zu klein, zu dick, zu dünn, zu viel, zu wenig. Nicht stark genug, nicht hübsch genug, einfach nicht genug. Im Märchen wird der Fluch oft dadurch gebrochen, dass sich jemand anders in die verzauberte Figur verliebt oder aus Liebe zu ihr eine bestimmte Handlung durchführt. Klingt schön und gut, aber wie soll das im richtigen Leben laufen? Nun, es tut immer gut, wenn es jemanden gibt, der dich so akzeptiert, wie du bist, nicht wahr? Das kann so manche düsteren Gedanken und Selbstzweifel vertreiben. Und einer der wichtigsten Menschen, die dich lieben und schätzen können, bist du selbst.
Social Media hat viele interessante Entwicklungen und Verknüpfungen mit sich gebracht, aber leider auch das ständige Bedürfnis verstärkt, sich in der Öffentlichkeit vorteilhaft darzustellen und andere entsprechend zu bewerten. Versteh mich nicht falsch, ich mag das Internet und seine globale Vernetzung. Aber das Internet sieht dir in der Regel nicht zu, wenn du allein vor dem Spiegel stehst und durch dein Aussehen eine Krise schiebst, und es hilft dir auch nur selten.
Warum machst du nur bei Ausschreibungen für Kurzgeschichten mit? Willst du keine Bücher veröffentlichen?
Doch, will ich schon, aber Übung macht den Meister. Ich kann in der gleichen Zeit, in der ich ein Buch schreiben würde, dutzende Kurzgeschichten schreiben. Dabei kann ich verschiedene Themen, Stile, Übersetzungen ins Moderne, Hauptfiguren etc. ausprobieren und entsprechend Feedback sammeln – was funktioniert, was wird angenommen, was nicht? Diese Infos kann ich vielleicht nicht zu 100% für meine Bücher übernehmen, aber sie sind doch ein guter Indikator, wo Interessen liegen. Ausserdem kann es knifflig sein, eine ganze Handlung in eine Kurzgeschichte zu packen, ohne Abstriche an Logik oder Atmosphäre zu machen. Man lernt sehr schnell, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Ausserdem lese ich selbst ganz gern mal eine Sammlung an Kurzgeschichten, sonst hätte ich nicht so viele Märchen- und Sagenbücher im Regal stehen. So gern ich dicke Schinken lese, manchmal steht mir der Sinn nach etwas Kurzweiligem, nach einem Abenteuer für eine Stunde oder so, und dieses Bedürfnis füllen Kurzgeschichten ganz ausgezeichnet.
Deine Werke sind bisher alle in sich geschlossen, planst du auch eine Serie zu schreiben?
Aktuell nicht, nein. Aus Erfahrung weiss ich, dass ich mit mehrteiligen Geschichten kämpfe, weil mir entweder der Handlungsfaden oder das Interesse an der Geschichte verloren geht.
Da ich selbst einige Serien lese, deren Fortsetzung lange auf sich warten lässt, kenne ich den Frust, wenn es nicht weitergeht. Darum will ich meine Leserschaft nicht mit einer unvollendeten Geschichte sitzen lassen.
Was ich mir momentan vorstellen kann sind kleine Cameos von Charakteren aus anderen Werken, da alle Geschichten grundsätzlich in der gleichen Welt spielen, nämlich unserer.
Wie stehst du zu Fanfiction zu deinen Werken?
Ich lese und schreibe seit über zwanzig Jahren Fanfiction in vielen verschiedenen Fandoms, daher wäre es mehr als heuchlerisch, wenn ich Fanfictions zu meinen Werken verbieten würde. Im Gegenteil, es ist mir eine Ehre, wenn ich jemanden mit einer meiner Geschichten inspirieren kann, selbst die Feder zu zücken und zu schreiben. Streng genommen könnte man alle meine Werke als Fanfiction bezeichnen, da Retellings nichts anderes sind als Neuerzählungen bereits bekannter Geschichten. Ich wünsche viel Spass und gutes Gelingen!
Natürlich gilt dabei das Übliche:
- du darfst Fanfictions schreiben und online posten sowie drucken, aber nicht gegen Geld respektive als kommerzielle Leistung vertreiben
- ich darf deine Fanfictions nicht lesen, was mir sehr leid tut, denn sie sind sicher fantastisch. Aber wenn ich aus Versehen eine Idee aus einer Fanfiction für eins meiner Werke aufgreifen würde gäbe das einen wunderbaren Streit ums Urheberrecht, und das will ich weder mir noch dir antun
Fragen über mich
Wolltest du immer schon Autorin werden?
Wie viele Leseratten und Bücherwürmer hatte ich schon als Kind das Bedürfnis, selbst Geschichten zu erzählen und mit anderen zu teilen, in meinem Fall also Bücher zu schreiben. Insofern ja, ich wollte immer Autorin werden, auch wenn mich mein beruflicher Weg in andere Bereiche geführt hat.
Wie stehst du zu LGBTQIA+?
Lass es mich klar und deutlich sagen: Love is Love, Gender ist unabhängig vom biologischen Geschlecht und Diskriminierung ist immer scheisse.
Ich gehöre selbst zu LGBTQIA+, denn ich bin sowohl auf dem asuexellen als auch dem aromantischen Spektrum, also aroace respektive a-spec. Das heisst für mich konkret, dass ich mich von anderen Leuten weder romantisch noch sexuell angezogen fühle. Andere asexuelle und / oder aromantische Menschen können mehr oder weniger Anziehung spüren - wie gesagt, es ist ein Spektrum. Im Durchschnitt gehören meines Wissens etwa 0,5 bis 1 % der Bevölkerung dazu.
Ausserdem bin ich cis, meine Pronomen sind sie/ihr.
Wann und wo wurdest du geboren?
Ich wurde im Sommer 1987, an einem besonders heissen Tag, in einem alten Dorf in der Ostschweiz geboren. Seither habe ich immer in der Region gelebt und bin damit bis heute ein Landei geblieben.
Hast du ein Haustier?
Eigentlich gerne, doch im Moment leider nein, das erlaubt mein Vermieter nicht. Als Kind hatte ich Meerschweinchen, die mir liebe und treue Gefährtinnen waren. Heute wäre ich eher zu Schuppen als zu Fell geneigt, aber eben, nicht ohne einen Umzug.
Bist du verheiratet?
Nein, ich bin ledig und habe derzeit keine*n Partner*in, da ich im Moment nicht auf der Suche nach einer Beziehung bin. Auch nicht nach einer Zucchini (if you know, you know).
Hast du Kinder?
Nein, ich habe keine Kinder und ich möchte auch keine. Ich habe schon Mühe, Kakteen und andere pflegeleichte Pflanzen am Leben zu erhalten, da möchte ich lieber nicht die Verantwortung für ein Leben übernehmen, das jahrelang komplett von mir abhängig ist.
