Dabei sein ist alles

Spannende Geschichten zu erleben ist toll – und noch besser, wenn man es innerhalb einer Gemeinschaft tun kann.

Heute ist International Fanworks Day für alle, die sich auf irgendeine Weise mit Fanworks beschäftigen. Jede Geschichte, jedes Fandom, lebt von den Fans, die sie erleben, und an diesem Tag feiern besonders diejenigen, die sich am kreativen Ausdruck des Fan-Seins beteiligen, also Fanworks erschaffen.

Hast du jemals ein Buch gelesen und dir eine Figur so gut vorstellen können, dass du ein Bild davon gezeichnet hast? Gratuliere, du hast Fan Art geschaffen, selbst wenn du das Bild nur für dich gezeichnet und nicht mit anderen Leuten geteilt hast.

Hast du jemals eine Geschichte gelesen und dir dabei gedacht: “Also diese Szene würde ich ja anders schreiben”? Und das dann prompt auch getan? Oder einen Moment aufgeschrieben, der zwar offziell passiert, aber nicht näher vorkommt, zum Beispiel ein paar Erholungstage zwischen zwei Action-Kapiteln? Voilà, du hast Fan Fiction geschrieben. 

Hast du jemals einen Film gesehen und gedacht, zu dieser Szene und / oder Figur würde ein bestimmtes Lied super passen, und hast dann ein Musikvideo dazu geschnitten? Du hast es erraten, du hast ein Fan Video erstellt.

Warst du schon mal an einer Comic-Messe und hast dich dabei als deine Lieblingsfigur verkleidet, vielleicht sogar einen Skit gespielt oder als besagte Figur mit anderen Besucher*innen der Messe interagiert? Ja, das nennt sich Cosplay und gehört ebenfalls zu den Fanworks.

Es liegt in der Natur des Menschen, Geschichten zu erzählen, damit zu interagieren, sie sich einzuverleiben. Es ist also nur logisch, wenn daraus neue Geschichten entstehen wie Wellen im Wasser. Das ist ein altes Phänomen und erklärt auch, warum wir bekannte Muster und Elemente aus antiken Geschichten auch in modernen Werken immer wieder finden.

Aber durch die technologischen Fortschritte ist es heute sehr viel einfacher geworden, die eigene Kreativität mit anderen zu teilen. Heute ist es nicht mehr schwierig, andere Fans zu erreichen, sei es durch ein Fanzine (analog oder digital), ein Musikvideo bei YouTube, ein cooles Meme auf Social Media, eine Web-Galerie mit selbst gezeichneten Bildern, Geschichten in einem Fan Fiction Archiv. Und der grosse Vorteil ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass diese Wege oft in beide Richtungen offen sind. Es ist kaum etwas leichter, als irgendwo einen Like zu setzen, kurz einen Kommentar zu schreiben oder der Person hinter einem bestimmten Fanwork sonst irgendwie zu zeigen, dass man das Werk gesehen hat und es cool findet, darüber lachen muss, sofort wieder an die ursprüngliche Geschichte erinnert wird. Und das, so finde ich zumindest, ist die grosse Stärke von Fanworks – von Fans für Fans.

Gerade für diejenigen, die in ihrem alltäglichen Umfeld keine oder nur wenige andere Fans ihres Lieblingswerkes finden, hat das Internet die Tür sehr weit geöffnet. Ich selbst lese sehr gern Fan Fiction aus verschiedenen Fandoms (nein, die zähle ich hier nicht alle auf) und habe über die Jahrzehnte auch hier Lieblingsautor*innen gefunden. Einige davon kommen aus Grossbritannien, den USA oder Australien. Andere kommen aus Deutschland, Korea oder Tunesien. Der Globus ist gleichzeitig so gross und so klein, die ganze Welt in Griffnähe mit einem Mausklick oder einer Fingerberührung.