Das Mosaik der Inspiration

Wie erschafft man aus den gleichen Bausteinen immer wieder neue Gebilde?

Ich habe aus verschiedenen Quellen schon gehört, dass es keine neuen Geschichten und Ideen gibt und alles bereits erzählt wurde. Dieser Aussage kann ich teilweise zustimmen, denn seit Anbeginn der Menschheit erzählen wir Geschichten, während wir uns auf der ganzen Welt und in verschiedene Kulturen verteilt haben. Die Chance, dass eine Idee tatsächlich komplett neu ist, ist verschwindend gering.

Das aber bedeutet nicht, dass es keine originellen Werke gibt. Selbst wenn die einzelnen Bausteine nicht neu sind, so kann es ihre Zusammensetzung sein, das Bild, das sie ergeben. Und solche Zusammensetzungen sind einzigartig für alle Künstler*innen, denn es gibt wohl nur wenige, die nicht nur komplett identische Erfahrungen gemacht haben, sondern auch exakt die gleichen Medien konsumiert und auf die gleiche Weise interpretiert haben.

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass der individuelle Umgang mit Bausteinen sehr variabel sein kann. Du erinnerst dich vielleicht, dass ich mal die Schreib-Challenge erwähnt habe, die meine zwei besten Freunde (Heyo!) und ich gemeinsam durchführen. Alle zwei Wochen bekommen wir einen neuen Prompt, um dazu einen kurzen Text zu verfassen. Diese Prompts reichen von Wörtern, die zu verwenden sind, bis zu Genres, Spielorten, Namen und sogar konkreten Sätzen, die vorkommen müssen. Wir schaffen es immer wieder, selbst mit solchen Einschränkungen in völlig unterschiedliche Richtungen zu gehen. Und das, obwohl wir uns mittlerweile schon sehr lange kennen und so einiges miteinander erlebt haben, viele gemeinsame Interessen teilen und ähnliche Ansichten zu Büchern und Filmen haben.

Daher ist es meiner Meinung nach nicht die Idee, die ein Werk einzigartig macht. Es ist die Kombination von Ideen, die Struktur und Ausführung, die allen Künstler"innen individuell gegeben ist.

Vielleicht nimmst du einen Baustein aus einem Heft, das du als Kind gelesen hast, und verbindest es mit einem Film, den du kürzlich im Kino gesehen hast. Einmal gut schütteln und mit einem Hauch Fernweh von deinen Reisen mischen, über dein liebstes Trope giessen und voilá, eine komplett neues Werk entsteht! Ich muss gestehen, ganz so einfach ist es nicht immer, aber ich muss manchmal wirklich lachen, wenn mir auffällt, woher ich einen spezifischen Baustein für eine meiner Geschichten habe.

Der andere Grund, weshalb ich der anfänglichen Aussage nur teilweise zustimmen kann, liegt in unserem ständigen Fortschritt. Ideen entstehen oft auch aus Wissen, mit jeder neuen Erkenntnis gibt es also auch neue Bausteine, die für kreative Zwecke eingesetzt werden können – denn der Trick, wie es so schön heisst, liegt gerne im Detail.