Die Ausschreibung "Das Rad der Zeit ... dem Schicksal geweiht" des Herzsprung-Verlags lädt dazu ein, über die Rolle des Schicksals in Märchen zu sinnieren.
Viele Held*innen verdanken es ihrer Geburt als Königskinder, dass ihnen Aussergewöhnliches geschieht oder dass sie fertigbringen, woran "normale" Menschen scheitern. Vielleicht wurden sie auch mit einem Zauber oder einem Fluch belegt, um ihre Eltern zu strafen. Möglicherweise liegt es auch in ihrem freundlichen und hilfsbereiten Wesen, dass sie sich dem Bösen erfolgreich entgegen stellen können. Ist es Schicksal, dass sie in ihre Position hineingeboren wurden? Entscheidet eine höhere Macht, wer welches Los im Leben zieht?
Für mich hängt die Frage nach dem Schicksal auch eng zusammen mit der Figur des*der Auserwählten, dessen*deren Taten oft durch eine Prophezeiung angekündigt werden und die meist anhand eines bestimmten Merkmals zu erkennen sind. Prophezeiungen bedingen grundsätzlich jemanden, der sie ausspricht, sei es Prophet*innen, Seher*innen oder Orakel, und jemanden, der sie ernst nimmt und entsprechend handelt. Ich kenne zum Beispiel Geschichten aus verschiedenen Kulturen, in denen böse Herrscher*innen erfahren, dass bald ein Kind geboren wird, das ihrer Herrschaft ein Ende setzt. Und da eben diese bösen Herrscher*innen daraufhin meistens alle Kinder töten lassen, setzen sie die Prophezeiung überhaupt erst in Gang. Oft genug sind es auch Kinder aus unterdrückten oder benachteiligten Gruppen, die dadurch umso stärker motiviert sind, die Welt zu verändern. Natürlich wird das prophezeite Kind, an dessen Überleben zahlreiche Leute und Opfer gebunden sind, mit diesem Wissen aufwachsen und sich entsprechend seinem Schicksal stellen.
Oder?
Was, wenn der*die Auserwählte zwar gefunden wird, sich dann aber weigert, der Prophezeiung Folge zu leisten? Was, wenn er*sie so wenig Empathie oder so ein schweres Leben hat, dass es ihn*sie schlicht nicht kümmert? Ich weiss noch nicht genau, welches Märchen ich als Grundlage für diese Geschichte verwenden will, aber ich habe bereits eine kleine Textstelle im Kopf:
"Ohne dich wird die Welt nicht mehr als Asche sein!"
"Dann lass sie brennen."
