Ein Erbe aus alter Zeit

Heute ist Tag der Schweizer Sagen und Märchen – eine Zelebrierung unseres jahrhundertealten Kulturguts.

Auch wenn die Schweiz ein kleines Land ist, so haben wir doch einen grossen Sagen- und Märchenschatz. Damit wir diese Fülle an Geschichten nicht verlieren und auch zukünftige Generationen sich daran erfreuen können, ist es wichtig, dass nicht nur die Geschichten selbst erhalten werden, sondern auch die Kunst des Geschichtenerzählens.

Die Mutabor Märchenstiftung für Märchen und Erzählkultur hat den heutigen Tag initiert. Die Stiftung und ihre Mitglieder arbeiten jahrein, jahraus an der Sammlung und Erhaltung von Schweizer Erzählkunst, insbesondere von regionalen Sagen und Märchen. So gibt es denn auch die Möglichkeit für Erwachsene, sich in Märchenseminaren zu Erzählenden ausbilden zu lassen, um ihrerseits die Geschichten unseres kulturellen Erbes an andere weiterzugeben. Zahlreiche Erzählanlässe laden Gross und Klein dazu ein, Märchen zu lauschen und darüber zu diskutieren. Nicht zuletzt erscheint seit über 25 Jahren die Zeitschrift Märchenforum, die als Fachzeitschrift allerlei Wissenswertes passend zur Saison sowie aus der Märchenforschung veröffentlicht.

Das Motto dieses ersten Tags der Schweizer Sagen und Märchen lautet “Gold und Geld”, denn Armut war - und ist - ein grosses Thema in der Schweiz. Im Vordergrund stehen Geschichten von goldenen Schätzen und ihren Hütern, aber auch von jenen, die auszogen, einen Schatz zu finden. Es findet sich eine breite Palette an Figuren, Motivationen und Umgangsweisen mit dem gefundenen Geld. Sind sie gute Seelen, die für ihr grosses Herz belohnt werden und das Gold mit anderen teilen? Oder sind es habgierige Menschen, die nur zum eigenen Vorteil einen Schatz an sich reissen und den Zorn des Schatzhüters nicht nur auf sich, sondern auf eine ganze Gemeinschaft ziehen? Oder kommt jemand auf andere Weise zu Gold und die Geschichte erzählt, wie sehr er*sie sich dadurch zum Guten oder zum Schlechten verändert? Eine Liste entsprechender Schweizer Sagen und Märchen findest du in der Datenbank Schweizer Märchenschatz.

Persönlich finde ich diese Entwicklung fabelhaft, und zwar nicht nur, weil ich mich selbst durch Märchengefilde bewege. Gerade in der heutigen Zeit, wo so vieles schnelllebig und sensationsheischend geworden ist, scheint es mir wichtig, dass wir uns bewusst Zeit nehmen, bewusst zuhören, bewusst eine Geschichte aufnehmen und verarbeiten. Nicht für Likes oder in Memes, sondern einfach, weil eine Geschichte etwas Schönes ist.