Alle Erzählenden, unabhängig von der Wahl ihres Erzählmediums, vermitteln ihrem Publikum auch Werte, in der Regel ihre eigenen. Das, indem sie die “guten” Figuren auf eine bestimmte Art und Weise handeln lassen oder “böse” Figuren für bestimmte Taten / Einstellungen bestrafen. Tatsächlich geschieht das meist ohne besondere Absicht, da die Werte der erzählenden Person zu ihrer Weltanschauung gehören und damit normal für sie sind.
Je grösser die Bekanntheit und Reichweite einer erzählenden Person sind, umso mehr Menschen erreicht sie mit ihren Werten. Natürlich heisst das nicht automatisch auch, dass diese Werte angenommen werden, aber die Möglichkeit besteht. Daher schadet es sicher nicht, wenn sich Erzähler*innen das gelegentlich ins Bewusstsein rufen.
Für mich ist das Thema momentan noch nicht sonderlich akut, da sich meine Reichweite in bescheidenen Grenzen hält. Aber früh übt sich, wie man so schön sagt, und so habe ich mal meine Werte genauer unter die Lupe genommen. Ein relativ ausgeprägter Wert ist das Bewusstsein für Naturschutz. Ein Teil basiert aus meiner eigenen Tierliebe und den Werten meiner Eltern, ein Teil sicher auch auf den Medien, die ich als Kind und Teenager konsumiert habe. Filme wie “Free Willy”, Serien wie “Captain Planet” sowie Bücher wie “Crazy Oma im Regenwald” von Urs Maltry und "Die Abenteuer von Aguila und Jaguar" von Isabel Allende haben da einen deutlichen Eindruck hinterlassen. Das ursprünglich Schweizer Würfelspiel “Wild Life” hat ebenfalls dazu beigetragen (ich habe oft Freund*innen und Familie damit genervt).
Dazu kommt mittlerweile auch das Verständnis für die lokale Situation. Die Schweiz ist kein besonders grosses Land und ist entsprechend gut erschlossen, aktuell gibt es etwa 17 % Wildnisfläche. Weisst du, wie viele unserer einheimischen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind? Es ist ein unfassbarer Drittel. Es hat mich ziemlich erschüttert, als ich das vor einigen Jahren herausgefunden habe. Ein Drittel? So viel? Es trifft eben nicht nur die bekannten Tiere wie Waldrapp, Fischotter und Bartgeier (deren Schutz definitiv Fortschritte macht) – der grosse Schaden liegt im Detail, bei den Insekten, Amphibien, Fischen und Reptilien. Durch Trockenlegung für Bebauungen und Nutzflächen verliert die Schweiz stetig Vertreter der artenreichsten Biotope, nämlich die Feuchtgebiete, die Sümpfe und Moore, Auen und feuchten Wälder ebenso wie die Wiesen verschiedenster Art. Unseren Bestäubern geht allmählich der Lebensraum aus.
Und wer jetzt denkt: “Gut, die Schweiz, das betrifft mich ja nicht.” In Deutschland, Östereich und dem restlichen Europa sieht es nicht viel anders aus. Deshalb sind die Wiederansiedlungsprojekte und die Naturschutzmassnahmen, die nationalen wie die grenzübergreifenden, eben so wichtig.
Je älter ich werde, umso stärker wird mir bewusst, dass Naturschutz ein wichtiger Wert für mich ist. Daher überrascht es mich nicht im Geringsten, wenn das mehr oder weniger klar in eine Geschichte einfliesst. Meine Held*innen verschiedener Kurzgeschichten setzen sich für die Umwelt ein, indem sie etwa in Reservaten arbeiten oder gegen invasive Arten vorgehen, Samenkugeln verstreuen oder schlicht bienenfreundliche Blumen aussäen. Es braucht nicht immer viel, um einen Beitrag zu leisten, aber kleine Taten von genügend Menschen können grosse Wirkung zeigen.
Heute ist übrigens internationaler Tag des Walhais, daher passt dieser Post ganz gut hierher.
