Einsendung "Leise richtet der Schnee"

Den aktuell heissen Temperaturen zum Trotz reiche ich diesen Beitrag für ein blutiges Weihnachtsfest ein.

Die Ausschreibung "Bloody Christmas" von Fakriro erlaubt mir, die dunkleren Aspekte von Märchen in den Fokus zu rücken und sie vor einem weihnachtlichen Hintergrund zu inszenieren. Daran mangelt es mir zum Glück nicht, denn selbst in den Grimm'schen Märchen verlieren Figuren fleissig Körperteile oder sogar ihr Leben, obschon sie für Kinder abgemildert wurden.

Als Grundlage dient mir das Märchen von Frau Holle, da es bekanntlich durch das Aufschütteln ihrer Bettdecke zu Schneefall kommt und sie daher deutlich mit dem Winter verbunden ist. Ausserdem geht Frau Holle, ähnlich wie auch Frau Perchta, vermutlich auf eine alte Göttin germanischen und / oder nordischen Ursprungs zurück, die vor allem in Bergregionen verehrt wurde. Eben eine solche Göttin ist oft Teil oder sogar Anführerin der Wilden Jagd, die in den Raunächten zum Jahresende über das Land braust.

Die beiden Mädchen gelangen durch den Brunnenschacht zu Frau Holle, was eine Verbindung zur Unterwelt oder Anderswelt darstellen könnte. Im Volksmund ist sie scheinbar auch diejenige, die Seelen von ungetauft gestorbenen Kindern wieder sicher ins Jenseits geleitet. Der Frau-Holle-Teich in Hessen soll so tief sein, dass sein Grund nicht mehr in unserer Welt liegt. Und auch der Holunder, dem magische Kräfte als Tor zu einer anderen Welt nachgesagt werden, wird manchmal Holler genannt, was durchaus eine Anspielung auf Frau Holle sein kann.

Gut, aber was hat das Ganze jetzt mit mörderischen Weihnachten zu tun? Nun, ich habe meiner Version von Frau Holle mehr frostige und beissende Züge verliehen. Gleichzeitig habe ich die Geschichte soweit verändert, dass die Schwestern nicht mehr nacheinander bei Frau Holle sind, sondern miteinander, und sich somit direkt im Wettkampf gegenüber stehen. Wie weit sie gehen, um die Prüfungen zu bestehen und ihrer Rivalin zu schaden? Abwarten!