Für mich gehen Märchen Hand in Hand mit Magie, obschon ich weiss, dass es auch Märchen ohne jegliche übernatürliche Elemente gibt. Daher sage ich oft, dass ich Fantasy-Autorin bin.
Aber sind alle Fantasy-Geschichten gleich? Nein, da gibt es natürlich einige Unterschiede, die ich dir hier erkläre, so wie ich sie verstanden habe. Es kann allerdings sein, dass ich ein Subsetting vergesse oder sich anderweitig ein Fehler eingeschlichen hat, darum lies im Zweifelsfall selbst nach. Ausserdem kann eine Geschichte je nachdem auch zu mehreren Subsettings gehören, sie schliessen sich nicht alle gegenseitig aus.
Oft spielt eine Fantasy-Geschichte in einer anderen Welt als der unseren. Dann gehört sie normalerweise zu High Fantasy oder Low Fantasy.
Von High Fantasy sprechen wir, wenn Magie in dieser Welt weit verbreitet ist und eine tragende Rolle spielt. Kommen Völker wie Zwerge, Elben, Meermenschen oder ähnlich vor, dann ist das ein weiteres Indiz für High Fantasy. Paradebeispiele sind natürlich J.R.R. Tolkiens Werke “Der Herr der Ringe” und “Der kleine Hobbit” in Mittelerde, aber auch die Reihe “Das Lied von Eis und Feuer” von George R.R. Martin, auch wenn sich da die Magie anfangs etwas zurückhält.
Low Fantasy hingegen nutzt Magie nur sehr sporadisch, meistens in Form von Artefakten wie magischen Schwertern oder verfluchten Schmuckstücken. “Conan der Barbar” von Robert E. Howard oder “Locke Lamora" von Scott Lynch sind hierfür etwa gute Beispiele.
Beginnt eine Geschichte in unserer Welt und verlagert sich, wenn die Figuren einen bewussten Übergang in eine andere Welt begehen, dann sprechen wir passenderweise von Portal Fantasy. Ob der Übergang wie in C.S. Lewis' “Chroniken von Narnia” zum Beispiel ein Schrank ist oder wie bei Lewis Carrolls “Alice im Wunderland” ein Kaninchenloch spielt dabei keine Rolle.
“Percy Jackson” von Rick Riordan spielt gänzlich in unserer Welt, viele Figuren sind Kinder griechischer Gottheiten. Da eben diese Gottheiten und andere mythologische Wesen sich nur vor den Menschen verbergen, ansonsten aber unsere Städte und Landschaften bewohnen, gehört diese Buchreihe zu Urban Fantasy. In diesem Subsetting wird die uns bekannte (moderne) Welt mit magischen Elementen bereichert.
Eine interessante Variation dazu ist Pseudohistoric Fantasy, dessen Geschichten ebenfalls in unserer Welt spielen, aber unter dem Vorsatz, dass sich ein wichtiges Ereignis in der Vergangenheit anders zugetragen hat oder eine neue Perspektive eine bekannte Geschichte erzählt. “Die Nebel von Avalon” von Marion Zimmer Bradley etwa erzählt die weltberühmte Sage von König Artus, aber aus Sicht seiner Halbschwester Morgaine.
Dark Fantasy dreht sich, wie der Name schon andeutet, um die dunkleren Seiten von Magie. Rache, Zombies, finstere Rituale und auch Liebeszauber finden sich hier als gängige Elemente, denn eine spannende Entwicklung dieses Subsettings liegt darin, dass der Grossteil der Leser*innen Frauen sind, die einen gewissen Anteil an Erotik schätzen. “Women of the Otherworld” von Kelley Armstrong oder “Mercy Thompson” von Patricia Briggs fallen mir spontan dazu ein.
Die sanftere Schwester dazu ist natürlich Romantasy, eine Liebesgeschichte vor übernatürlicher Kulisse und mit mindestens einer nichtmenschlichen Person als Teil des Haupt-Pärchens. “Throne of Glass” von Sarah J. Maas und “Bis(s)” von Stephenie Meyer lassen grüssen.
Manchmal wird eine Geschichte aus Sicht von Tieren erzählt, so etwa in “Unten am Fluss” von Richard Adams, dessen Verfilmung (auch bekannt als Watership Down) einen Grossteil meiner Generation traumatisiert haben dürfte. Das nennt sich, wie zu erwarten, Animal Fantasy und öffnet die Tür für ungewöhnliche Perspektiven.
Persönlich schreibe ich derzeit hauptsächlich Urban Fantasy, da meine Geschichten weitgehend Märchen in unserer modernen Zeit nacherzählen. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen, auch mal etwas Richtung High Fantasy oder Portal Fantasy zu schreiben. Durch diverse Ausschreibungen habe ich auch schon mit Dark Fantasy und Romantasy geliebäugelt.
