Gemeinsam glücklicher

Die Sonne kann nicht immer scheinen, manchmal braucht es auch Donner und Regen. Das ist in der Natur nicht anders als in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Meine werten Eltern haben gestern ihren 40. Hochzeitstag gefeiert (welch ein Timing), was in der heutigen Zeit doch einen gewissen Respekt verdient. In den vier Jahrzehnten, die sie nun schon gemeinsam durchs Leben gehen, haben sie sich unter anderem geneckt, gekabelt, angemeckert und doch vor allem eins – immer wieder versöhnt und immer noch sehr lieb.

Es ist wohl in all den unterschiedlichen Beziehungen, die wir als Menschen pflegen, nicht möglich, dass sich alle Parteien einig sind. Romantische Partner*innen, Freund*innen, Eltern und Kinder, Geschwister und so weiter kennen einander in der Regel gut genug, um zu wissen, wo sie allenfalls den Hebel ansetzen müssen, um eine Reaktion auszulösen. Böse Worte können schnell fallen, Drama eskaliert und schon knallen die Türen. Konflikt ist etwas, das in jeder Beziehung vorkommt, und das ist normal. Wichtig ist, wie ein Streit über die Bühne geht und was danach passiert, wie viele Grenzen überschritten wurden und was danach als Lösung, als Kompromiss vereinbart wird.

Ich erwähne das an dieser Stelle, weil ich als Einzelkind aufgewachsen bin und mich daher in Ermangelung von Geschwistern hin und wieder mit meinen Eltern gekabelt habe. Auf beiden Seiten unserer Familie sind kleine Streits ein bisschen wie Feuerwerk: es wird schnell laut, dann verraucht die Wut und dann ist wieder alles gut. Mir ist durchaus bewusst, dass solche Momente auch sehr viel anders laufen können. Daher bin ich meinen Eltern (und Grosseltern und Onkeln und der erweiterten Verwandtschaft) dankbar dafür, dass sie mir gezeigt haben, dass ich vor Konflikt grundsätzlich nicht zurückzuscheuen brauche. Natürlich ist es auch nicht die Idee, dass ich überall Radau mache, aber ein kurzer Streit ist langfristig sicher gesünder als wochenlang den Frust zu schlucken.

Wichtig ist meiner Meinung nach gerade in engen Beziehungen, dass man auch im Streit nicht aus den Augen verliert, wer und was die andere Person für einen ist: Ein Grundmass an Respekt und Anstand gehört für mich dazu, denn schlussendlich ist (meistens) eine Versöhnung das Ziel. Ich denke, die meisten Leute können faktische Aussagen wie “Du Kontroll-Freak” (ob wahr oder falsch) besser verarbeiten und verzeihen als “Du Idiot”, was ausschliesslich eine Beleidigung ist. (Frühere) Fehler, Geheimnisse und empfindliche Punkte nicht als Waffen zu missbrauchen gehört ebenfalls zum guten Ton.

Mangelnder Respekt, Lügen, Gaslighting, Handgreiflichkeiten und Bedrohung sehe ich persönlich als Zeichen, dass die andere Person die Beziehung zwischen uns entwertet und damit kein Interesse mehr damit hat. Das ist viel zu zu einfach ausgedrückt und extrem situationsabhängig, das ist mir klar aber niemand hat es verdient, entwürdigt zu werden, auch nicht in Meinungsverschiedenheiten. Es gibt viele regionale und nationale Anlaufstellen, an die man sich in solchen Fällen wenden kann – tu es bitte, wenn du Bedarf hast.

Langer Rede kurzer Sinn: Seid lieb miteinander, auch wenn's manchmal faucht und kracht, denn Menschen sind soziale Wesen und alleine durchs Leben zu gehen ist wohl schlimmer als gelegentliche Konflikte. Wenn die Konflikte nicht mehr gelegentlich sind, sondern Dauerzustand, dann sei so mutig und hol dir Hilfe.