Schreiben ist einfach, nicht wahr? Einfach hinsetzen und die Wörter sprudeln lassen.
Na ja, es gibt da schon gewisse Unterschiede bei den Schreibmitteln. Ganz traditionell, mit Stift / Feder und Papier / Papyrus / Pergament, benötigt am wenigsten Material, hält aber auch nur bedingt lange und kann nicht so einfach bearbeitet werden. Und wehe, eine handgeschriebene Geschichte wird nass, fängt Feuer oder geht verloren – aus der Traum. Ich bewundere die Schreibenden früherer Jahrhunderte, die es nicht anders kannten und teilweise über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg sorgsam ihre Manuskripte gehütet und gepflegt haben. Und die Mühsal, entweder einem Verlag das einzigartige Original anzuvertrauen oder eine Kopie davon anzufertigen!
Etwas flotter und moderner funktioniert es natürlich mit einer Schreibmaschine. Einfache Fehler können behoben werden und per Mehrfachdurchschlag kann man auf einmal gleich mehrere Exemplare schreiben. Trotzdem bleibt die ganze Geschichte auf Papier, das gegen den Zahn der Zeit nur bedingt gefeit ist. Ausserdem ist die Schreibmaschine eine der lauteren Schreibmethoden, was die eine oder andere Person in der Inspiration stören mag.
Die digitalen Möglichkeiten zur Texterstellung sind seit ihrer Entstehung regelrecht explodiert, in mehr als eine Richtung. Nicht nur verschiedene Geräte wie Computer, Laptop, Tablet und Smartphone erlauben das Schreiben, nein, es gibt auch unzählige Programme für die Erstellung des persönlichen Bestsellers. Die “richtige” Wahl basiert zum einen auf vorhandenen Möglichkeiten, zum anderen auf persönlichen Preferenzen. Was für eine*n Autor*in perfekt ist, ist für den*die nächste*n eine Katastrophe. Das wiederum spricht für diese Vielfalt, denn so werden (ziemlich) alle fündig und können auf ihre bevorzugte Art schreiben.
Ich persönlich bevorzuge das Schreiben an sich auf einem PC oder einem Laptop. Für Ideen, Brainstorming oder Notizen greife ich auch mal zu Stift und Papier, besonders, wenn ich das Ganze grafisch darstellen möchte und / oder gerade unterwegs bin. Diese handschriftlichen Zettel und Blätter werden dann digitalisiert, sobald ich die Zeit dafür finde. In der Regel hebe ich sie dann trotzdem auf und finde sie Jahre später beim Aufräumen wieder, was auch seinen Reiz hat und gerne auch mal für Lacher sorgt. Was meine Schreibprogramme angeht, so habe ich viele Jahre in Word geschrieben, ehe ich dann zu LibreOffice gewechselt habe und soweit damit zufrieden bin. Für gewöhnlich schreibe ich auf einer Seitengrösse von 12.5 x 19 cm, damit ich direkt schon vorstellen kann, wie das dann als Taschenbuch aussehen könnte. Ausserdem kann ich so drei Seiten nebeneinander sehen, was manchmal sehr hilfreich ist. Meine Informationen und Details pflege ich wie schon früher im Blog erwähnt in meiner privaten Website, aber da das nicht für alle ein gangbarer Weg ist, hier ein paar Alternativen.
Eines der bekannteren Programme spezifisch fürs Schreiben ist Scrivener, von dem ich (nach einer gewissen Lernkurve) schon viel Gutes gehört habe, das ich bislang aber nicht selbst verwende. Neben dem Texteditor bietet es auch verschiedene Möglichkeiten für die Sammlung und Organisation von Informationen. Zu den Stärken des Programms gehören die vielen Formatierungsmöglichkeiten, gerade auch für Drehbücher oder wissenschaftliche Arbeiten. Scrivener lässt sich auf Mac und Windows installieren und wird aktuell nur einmalig berechnet.
Wer lieber online von überall her auf seine*ihre Geschichten und die dazu gehörenden Infos zugreifen möchte, der*die ist vielleicht mit World Anvil ode Campfire gut beraten. Beide Web-Plattformen bieten nebst Texteditor auch Zeitleisten, Karten und Charaktersteckbriefe an. Hier kann ich mich ebenfalls nicht auf eigene Erfahrungen berufen, aber ich habe bislang nur Gutes darüber gehört.
Von anderen Schreibenden weiss ich auch, dass sie bevorzugt mit Sprachprogrammen arbeiten, die das Gesagte in Text umwandeln. Das kann je nach Geschichte ganz gut funktionieren, hat sich aber bei Büchern mit individuellem oder Fachvokabular schon als schwierig herausgestellt. Klar, solche Programme haben Mühe mit Wörtern, die sie nicht kennen.
Aber ich kenne auch zwei Autoren (hi guys), die ihre epischen und wunderbaren Kurzgeschichten zumindest teilweise, wenn nicht sogar komplett, auf dem Handy schreiben. In den Notizen. Mit der Bildschirmtastatur. Das nenne ich mal echte Leidenschaft und wahres Durchhaltevermögen! So nutzen sie lange Pendelstrecken oder kurze Arbeitspausen, um Wort für Wort ihre Werke zu erschaffen. Wo ein Wille, da ein Weg.
Schlussendlich lässt sich also nicht definitiv und allgemein gültig sagen, wie und womit man am besten schreibt. Das hängt auch ein bisschen damit zusammen, welche Mittel man hat und was man bereit ist zu investieren. Da hilft wohl nur ausprobieren…
