Asien ist einer der grössten Kontinente und umfasst so viele Länder, die kulturell und geografisch interessant zu erkunden sind. Aber ich kann sie leider nicht alle berücksichtigen, daher führt uns diese Geschichte nach Indien. Da Indien aber ein sehr grosses Land ist schränke ich es noch etwas weiter ein: es geht in den Kaziranga-Nationalpark im Bundesstaat Assam.
Ein grosser Einfluss auf diese Entscheidung war Rudyard Kiplings "Das Dschungelbuch", das unter anderem die Geschichte von Mowli erzählt, der im Dschungel aufwächst. Er wird von einer Wolfsfamilie aufgenommen, seine Lehrer sind ein Bär und ein Panther. Und wenn er Probleme hat, dann holt er sich Rat bei der weisen Schlange Kaa – so steht es im Buch, was auch in fast allen Adaptionen ausser der Disney-Version so umgesetzt wird. Das ist ein Element, das ich gerne beibehalten möchte.
Mit diesem Hintergrund will ich für einmal den bösen Wolf stattdessen einen bösen Tiger sein lassen. Versteh mich nicht falsch, ich habe absolut nichts gegen Tiger, aber in diesem Fall stellt ein Tiger schlicht einen gefährlicheren Gegner dar als ein Wolf. Ausserdem sind Tiger dafür bekannt, dass sie die Rufe ihrer Beutetiere imitieren, um so weitere Beute anzulocken. Das passt meiner Meinung nach ganz gut zu Rotkäppchen, wo der Wolf sich als die Grossmutter ausgibt. Ein weiterer Zusammenhang, warum jetzt genau eine Schlange in dieser Rotkäppchen-Version vorkommt, ist die sinnbildliche Wiedergeburt, die sowohl Schlangen nach der Häutung als auch Rotkäppchen und Grossmutter nach der Befreiung aus dem Wolfsbauch erleben.
Von Kaa wird übrigens angenommen, dass er ein Heller Tigerpython (Python molurus) ist. Und obschon in Kaziranga keine Wölfe leben, gibt es dort doch Lippenbären, Indische Leoparden, Asiatische Elefanten, Königstiger, Goldschakale und eben Helle Tigerpythons.
