Jahreszeiten der Kreativität

Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt es nicht nur in der Natur, sondern auch bei Künstler*innen.

Ich habe es schon oft bei Künstler*innen und Kreativen aus meinem Umfeld beobachtet, dass sie ständig auf der teilweise fieberhaften Suche nach der nächsten Idee sind. Das ist verständlich, vor allem bei denjenigen, die von ihrer Kunst leben und entsprechend daraus ihr Einkommen schöpfen.

Aber ich habe auch schon oft von sogenannten Writer's Blocks oder Schaffenslöchern gehört, wo sich kreativ gar nichts bewegt und jede Idee wieder verworfen wird, kaum dass sie aufgetaucht ist. Mehr als einmal habe ich sie auch selbst erlebt und es ist ein ekelhaftes Gefühl, wenn jeder Funke sofort zu Asche wird und nur einen Russfleck hinterlässt, bis der ganze Kopf dunkel geworden ist.

Meiner Meinung liegt das daran, dass wir uns nicht unsere eigenen Jahreszeiten gönnen. Wir hasten von Werk zu Werk, ohne uns eine Pause zu erlauben. Dabei folgt auch das kreative Schaffen einem bestimmten Rhythmus: im Frühling wird aus einer ersten Idee, einem Samenkorn, der Sprössling eines ersten Entwurfs. Über den Sommer hin wächst und gedeiht die Idee zu einem Werk heran, dem wir im Herbst den Feinschliff verpassen, ehe wir die Ernte einfahren und den Ruhm oder wenigstens die Genugtuung erlangen, dass wir etwas erfolgreich abgeschlossen haben.

Und im Winter? Nun, dann sollten wir uns eigentlich auf unseren Lorbeeren ausruhen, von unserem Triumph zehren und uns allenfalls überlegen, in welche Richtung die Saat im nächsten Frühling austreiben könnte. Im Winter geniessen wir die Früchte unserer Arbeit und lassen den Boden schlafen, im Winter konsumieren wir die Werke anderer und verdauen sie, um im Frühling daraus frische Saat zu gewinnen.

Manchmal kann es länger als ein Jahr dauern, bis man wieder einen Frühling beginnt. Manchmal macht man den Zyklus mehrmals innerhalb eines Jahres durch. Wir sind nicht alle gleich, noch sind wir selbst immer gleich. Wichtig ist, dass wir offen für diesen Ablauf sind und nicht versuchen, in zu erzwingen.

Wenn du keine neuen Ideen hast, dann hol dir ein gutes Buch, einen spannenden Film, eine neue Serie, ein cooles Game, hippe Musik oder geh mal wieder ins Theater. Wenn dein Boden arm an Nährstoffen ist, dann düng ihn und wälz die Erde mal ordentlich um. Du wirst sehen, danach geht es leichter voran und die Ideen schiessen der Sonne nur so entgegen.