Kleider machen Leute

Anhand ihres Modestils kann man den einen oder anderen Charakterzug von Menschen erkennen, das ist in Geschichten ebenfalls so.

Auch wenn Charaktere “nur” Teil einer Geschichte sind, so sind sie doch relativ wichtig für diejenigen, die diese Geschichte lesen / sehen / hören / spielen. 

Gerade darum kann es manchmal für Künstler*innen ganz hilfreich sein, wenn sie sich einen Steckbrief für ihre Charaktere anlegen. Dazu gehören nebst Namen, Tätigkeit und Familienverhältnisse meiner Meinung nach eben auch solche Sachen wie Modestil. Dabei gibt es in meiner persönlichen Einteilung verschiedene Ebenen:

  • Wenn eine Figur bevorzugt zweckmässige Kleidung trägt, dann ist das vermutlich keine Person, die in purem Luxus schwelgt und einen Schrank voller Designstücke hat. Das ist die Ebene des Ichs, die die individuellen Vorlieben einer Figur umfasst.
  • Andersherum wird jemand in einem körperlich anstrengenden Job wohl eher nicht hochempfindliche Kleidung oder Stöckelschuhe tragen, wenn es sich vermeiden lässt. Das ist die Ebene der Situation, die sich darauf bezieht, was eine Figur gerade tut.
  • Ausserdem spielt natürlich auch die Umgebung, in der sich eine Figur befindet, eine Rolle. Am Nordpol einen Charakter nur in Shorts und T-Shirt draussen herumwandern zu lassen bedarf einer ziemlich guten Erklärung innerhalb der Geschichte. Das ist die Ebene der Umwelt, verbunden mit dem Wetter und der Lokalität.
  • Zu guter Letzt kommt es auch darauf an, in welcher Zeit eine Geschichte spielt. Man kann heute vielerorts (besonders in Städten) mit Reifrock oder Römertoga durch die Strasse gehen, ohne deswegen gleich offiziell für wahnsinnig erklärt zu werden. Figuren im Mittelalter können aber schlicht keine Jeans oder Turnschuhe tragen. Nein, auch Zeitreisende nicht, wenn sie nicht negativ auffallen oder gleich gelyncht werden wollen. Das ist entsprechend die Ebene der Zeit.