Nach dem Wolf

Mit dem Jahresende rückt auch der Abschluss meines Experiments näher.

Vor gut elf Monaten habe ich den Versuch gestartet, dasselbe Märchen in sieben verschiedenen Varianten zu schreiben, nämlich Rotkäppchen. Diesen Versuch bezeichne ich als “Ewea Extreme” – meine Retellings laufen alle unter dem Motto “Es war ein andermal”, also kurz “Ewea”, und das mehrfach mit derselben Grundlage zu schreiben ist schon ein bisschen extrem.

Verteilt auf die sieben Kontinente und damit verankert in unterschiedlichen Kulturkreisen haben sich die Varianten teilweise in sehr unterschiedliche Richtungen bewegt. Die Entwicklung war für mich ziemlich spannend, kommen doch nun so meine sieben Rotkäppchen-Figuren schön divers daher. Ähnlich viel Spass hatte ich auch mit dem Wolf, der von einem tatsächlichen Tier über ein übernatürliches Wesen bis hin zu einem Menschen reicht, natürlich mit jeweiliger Motivation.

Ich will nicht sagen, dass es immer einfach war, denn das war es nicht. Manchmal musste ich einige Zeit puzzlen, bis meine Teile ein (zumindest aus meiner Sicht) sinnvolles Bild ergeben haben. Manche Symbolik und Herleitungen stehen auch auf etwas wackligen Füssen, keine Frage.

Und jetzt, da ich diese sieben Kurzgeschichten geschrieben habe – wie geht es weiter?

 Nun, zunächst einmal werde ich die Geschichten alle mehr oder weniger überarbeiten müssen. Ich habe erst gestern meine Antarktis-Variante wieder mal gelesen und sehe nach wie vor Potenzial in der Idee, aber auch noch einiges an groben Ecken und Kanten, die es abzuschleifen gilt. Damit werde ich mich in nächster Zeit befassen und dann, wenn ich soweit zufrieden bin, mindestens einen Teil mal ins professionelle Lektorat geben.

Tja, und dann stellt sich früher oder später die Frage nach der Veröffentlichung, nicht wahr? Ich weiss nicht, ob sieben Geschichten zum gleichen Märchen für einen Verlag interessant sind. Vielleicht ist es auch besser, sie als eigenständige eBooks rauszubringen. Momentan kann und mag ich mich noch nicht entscheiden, wir sehen weiter, wenn ich den tatsächlichen Umfang der Geschichten abschätzen kann. So oder so werde ich dich hier informieren.

Das Experiment würde ich grundsätzlich als erfolgreich bezeichnen, denn es hat mir den nötigen Druck gegeben, mich intensiver mit den Figuren und der Handlung eines spezifischen Märchens auseinanderzusetzen. Die bunte Mischung zu sehen, die daraus hervorgegangen ist, erfreut mein Herz, wie man so schön sagt. Daher habe ich mich entschlossen, das Experiment nächstes Jahr zu wiederholen, natürlich mit einem anderen Märchen und mit einem anderen Thema. Wenn das für dich interessant klingt, dann schau im Januar 2025 wieder hier vorbei.