Titel gesucht

Wie fasst man Handlung, Setting und Figuren einer Geschichte in einem guten Titel zusammen?

Wie bei allen kreativen Arbeiten gibt es auf diese Frage nicht nur eine richtige Antwort, da kommen verschiedene Faktoren und Möglichkeiten zusammen.

Ein Titel ist zusammen mit dem Cover das Erste, was potenzielle Leser*innen von einem Buch sehen. Darum ist es hilfreich, wenn der Titel schon eine Reaktion bei ihnen auslöst. Das kann Verwirrung, Interesse oder schlicht ein Lächeln sein, Hauptsache, der Titel bleibt im Gedächtnis hängen.

Wortspiele und an Sprichwörter angelehnte Titel eignen sich nicht schlecht, wenn man als Autor*in schon eine gewisse Vorstellung des Buchs bei den Leser*innen erzeugen möchte. Bei einem Buch mit dem Titel “Wer andern eine Grube gräbt” erwarte ich eigentlich schon, dass die Konsequenzen einer schadbringenden Handlung respektive Karma vorkommen. Natürlich eignen sich für das Wecken von Interesse auch freche Titel, die bewusst provozieren und so einen zweiten Blick erreichen, zum Beispiel “Meine Möpse und ich” für die Biografie einer Hundezüchterin. 

Etwas mysteriöser sind Titel, die aus nur einem Wort bestehen und sich erst durch die Handlung des Buches erklären, weshalb sie entsprechend gern für Krimis und Thriller genutzt werden. “Schuldig” ist ein gutes Beispiel, denn natürlich ist bei einem Verbrechen jemand schuldig, aber wer und wieso und wie? Kurze Titel machen es Leser*innen auch einfacher, sich eben diese Titel zu merken.

Die Namen von Hauptfiguren können sich auch eignen, um ein Buch bei Leser*innen in Erinnerung zu rufen, da sie diese Figur im Laufe der Geschichte sehr gut kennenlernen. Wer hat nicht sofort ein kleines Mädchen im Kopf, wenn er*sie “Momo” hört? Ähnlich stark können auch Handlungsorte sein, denn viele Menschen verspüren Wanderlust und Reisefieber, denen sie literarisch nachgehen, wenn es ihnen nicht persönlich möglich ist zu reisen. “Bretonische Brandung” beispielsweise macht von Anfang an klar, wo dieses Buch spielt, und lockt so Leser*innen an, die Sehnsucht nach der Bretagne verspüren. 

Nicht zu vergessen sind auch jeweils Genre und Zielgruppe einer Geschichte. Ein Kinderbuch mit dem Titel “Arschgeige” dürfte sich vermutlich ebenso schwer verkaufen wie eine Romanze mit dem Titel “Mord auf der Insel”. Die Diskrepanz zwischen dem Titel und den Erwartungen von Genre und Zielgruppe ist zu gross, kaum jemand fühlt sich angesprochen.

Bei meinen eigenen Werken gehe ich ganz unterschiedlich vor. Für längere Geschichten arbeite ich persönlich gern mit Titeln, die ein Bild vor dem inneren Auge der Leser*innen erzeugen. Eine mittlerweile schon ältere Kurzgeschichte auf Grundlage von Cinderella etwa habe ich “Träume aus Glas” genannt, mit bewusstem Bezug die gläsernen Schuhe. Ein anderes Beispiel ist etwa meine Kurzgeschichte "Leise richtet der Schnee", deren Titel eine absichtliche Abwandlung zu “Leise rieselt der Schnee” ist. Leser*innen wird schnell vermittelt, dass a) über etwas oder jemanden gerichtet wird und b) es kalt ist, was mehr oder weniger die Grundlage der Geschichte ist.

Für kürzere Geschichten, etwa bei der Schreib-Challenge, die ich mit meinen Freunden durchführe, greife ich meist auf Einwort-Titel zurück, die grob das Thema umfassen. Ab und zu kommt ein Wortspiel vor und ganz selten ein Stück aus einem Liedtext, wenn es meiner Meinung nach besonders gut passt.

Schlussendlich ist ein Titel oft persönlich für Autor*innen, etwas ähnlich wie Babynamen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt höchstens mehr und weniger passend.